Bürgerinformationssystem der Gemeinde Hohenhameln

Auszug - Bericht des Gemeindebrandmeisters  

 
 
Sitzung des Feuerschutzausschusses
TOP: Ö 5
Gremium: Feuerschutzausschuss Beschlussart: (offen)
Datum: Do, 18.06.2026 Status: öffentlich/nichtöffentlich
Zeit: 18:00 - 18:52 Anlass: Sitzung
Raum: Sitzungssaal im Rathaus Hohenhameln, Marktstraße 13, 31249 Hohenhameln
Ort: Sitzungssaal im Rathaus Hohenhameln, Marktstraße 13, 31249 Hohenhameln
 
Wortprotokoll

Bericht der Gemeindewehrführung an den Feuerschutzausschuss der Gemeinde Hohenhameln

Berichtszeitraum: 01.01.2026 bis 18.06.2026

Vorgetragen durch: B. Schillmöller (2. stellv. Gemeindebrandmeister)

Teil 1: Bericht zum aktuellen Dienst- und Einsatzgeschehen

Sehr geehrte Damen und Herren Mitglieder des Brandschutzausschusses,

geschätzte Vertreter der Verwaltung,

in Vertretung und im Namen unserer Gemeindewehrführung lege ich Ihnen hiermit den Bericht über das Einsatzgeschehen sowie den aktuellen Sachstand der wesentlichen Infrastrukturprojekte der Freiwilligen Feuerwehr der Gemeinde Hohenhameln für das erste Halbjahr 2026 vor.

1. Einsatzgeschehen

Im Zeitraum vom 01.01.2026 bis zum 18.06.2026 wurden durch die Ortsfeuerfeuerwehren insgesamt 59 Einsätze abgearbeitet. Darüber hinaus erfolgten zwei Alarmierungen der „Einsatzleitung Ort“ (kurz: ELO, vormals Örtlichen Einsatzleitung (ÖEL)) zu diesen Einsätzen.

Die Einsätze gliedern sich wie folgt:

  • 14 Brandeinsätze
  • 12 Verkehrsunfälle
  • 21 Technische Hilfeleistungen (darunter mehrere Unwetterlagen)
  • 10 Unterstützungen des Rettungsdienstes
  • 2 Einsätze aufgrund von Brandmeldeanlagen (BMA)

Die Einsatzbelastung bewegt sich weiterhin auf einem konstant hohen Niveau. Insbesondere die zunehmenden technischen Hilfeleistungen und Unterstützungsleistungen für den Rettungsdienst binden einen wesentlichen Teil unserer Kapazitäten. Nicht aufgeführt sind die vielen Absicherungen und Begleitungen von Umzügen und Brandsicherheitswachen.

2. Dienstkleidung

Die schrittweise Einführung der neuen Tagesdienstkleidung des Landes Niedersachsen in den Ortsfeuerwehren läuft planmäßig. Derzeit läuft ein Anprobesatz durch die Ortsfeuerwehren. Nach vollständiger Ausstattung aller Einheiten wird ein abschließender Sachstandsbericht erfolgen.

3. Zentrale Kleiderkammer

Der Umzug in die neue zentrale Kleiderkammer befindet sich in der Vorbereitungsphase. Die offizielle Einweihung ist für den 03.09.2026 vorgesehen. Die neue Einrichtung optimiert die Lagerung, Ausgabe und Verwaltung der persönlichen Schutzausrüstung, sowie der Dienstkleidung erheblich.

4. Modernisierung der Sirenenanlagen

Der Ausbau erfolgt kreisweit unter der Federführung des Landkreises Peine.

  • Ein Großteil der Anlagen im Gemeindegebiet ist bereits modernisiert, die restlichen Standorte folgen in den kommenden Monaten. Die alten Sirenen werden sukzessive außer Betrieb genommen.
  • Hörbarkeit: Aufgrund vereinzelt rückgemeldeter Mängel bei der Hörbarkeit steht der Landkreis in Abstimmung mit dem Hersteller für eventuelle Anpassungen in einzelnen Orten. 

5. Notfallmeldepunkte und Leuchtturmstandorte

Nach gemeinsamen Begehungen mit der Gemeindeverwaltung und dem Bauamt wird empfohlen, die Feuerwehrgerätehäuser in Mehrum, Clauen und Hohenhameln kurzfristig als zentrale Notfallmeldepunkte auszubauen. Diese verfügen bereits über eine notwendige Grundausstattung und Fahrzeugkapazitäten für Krisenfälle.

  • Technische Anforderungen: Installation fester Notstromeinspeisungen und stationärer Aggregate an diesen Standorten. Einheitliche Beschilderung der Meldepunkte.
  • Organisatorisches Konzept: Die Gemeinde muss ein Konzept für den Betrieb entwickeln. Die Feuerwehr übernimmt rein die Bereitstellung von Kommunikationsmitteln, die Unterstützung der Informationsweitergabe sowie den Brandschutz, ggf. Logistikunterstützung. Die personelle Besetzung sollte durch Verwaltung, Ortsbürgermeister, Alterskameraden und Hilfsorganisationen erfolgen. Die Notfallmeldepunkte dienen vorrangig der Sicherstellung der Kommunikation und nicht der Ausgabe von Lebensmitteln oder ähnlichem.
  • Krisenstab: Einrichtung eines gemeindlichen Krisenstabes mit verbindlichen Kommunikationswegen. Da das Rathaus aktuell über keine Notstromversorgung verfügt, wird die kurzfristig eine Prüfung zur Beschaffung eines anhängergebundenen Notstromaggregates empfohlen.

6. Löschwasserversorgung

  • Löschwasserteich Harber (Bereich Sargfabrik): Klärung der dauerhaften Unterhaltungspflicht sowie der Kostenbeteiligung der betroffenen Firma an den anstehenden Sanierungskosten durch die Verwaltung.
  • Löschwasserteich Mehrum („An der Tränke“): Empfehlung zur direkten Wasserentnahme aus dem Gewässer. Hierzu sind eine befestigte Aufstellfläche und eine Uferkonstruktion zu errichten sowie ein Schwimmsaugkorb zu beschaffen. Eine Entschlammung wird zur langfristigen Sicherung empfohlen; von einer Erneuerung der alten Saugleitung wird aus Wirtschaftlichkeitsgründen abgeraten.
  • Löschwasserteich Mehrum („Am Wiesengrund“): Eine Ertüchtigung ist wirtschaftlich nicht sinnvoll. In Abstimmung mit dem Landkreis Peine ist zu prüfen, ob der Standort entfallen kann, eine Zisterne errichtet werden muss oder Alternativen existieren. Die Verwaltung wird um Einleitung dieser Prüfung gebeten.

Teil 2: Strategischer Ausblick – Eine gemeinsame Investition in die Zukunft unserer Gemeinde

Meine Damen und Herren,

hinter diesen nüchternen Zahlen, Meilensteinen und Projekten steht ein System, auf das wir uns in Hohenhameln an 365 Tagen im Jahr blind verlassen können. Unsere Ortsfeuerwehren funktionieren. Sie sind professionell strukturiert, motiviert und erfüllen ihren gesetzlichen Auftrag absolut verlässlich.

Doch wenn wir im Führungsteam unserer Gemeindefeuerwehr über diesen aktuellen Berichtszeitraum hinausblicken, dann sehen wir eine bzw. mehrere Entwicklungen, die weit über den normalen Feuerwehralltag hinausgehen. Wir blicken auf fundamentale, historische Veränderungen unserer gesamten Gemeinde.

Die wirtschaftliche Dynamik, die wir derzeit insbesondere im Ortsteil Mehrum erleben, ist beeindruckend. Die Ansiedlung der neuen Pommesfabrik, des Rechenzentrums und des Gaskraftwerks sind Meilensteine für Hohenhameln. Diese Projekte bringen unserer Heimat nachhaltiges Wachstum, Arbeitsplätze und – wie wir alle wissen – in absehbarer Zeit erhebliche Einnahmen bei der Gewerbesteuer. Leider aber auch ein erheblich gesteigertes Gefahrenpotenzial.

Als Gemeindewehrführung begrüßen wir diese Entwicklung ausdrücklich. Doch als Verantwortliche für die Sicherheit in dieser Gemeinde müssen wir auch die Kehrseite dieser Medaille beleuchten:

Wirtschaftliches Wachstum und die öffentliche Sicherheit sind untrennbar miteinander verwoben. Eine moderne industrielle Infrastruktur benötigt zwingend eine ebenso leistungsstarke, modern aufgestellte kommunale Infrastruktur und Sicherheitsarchitektur. Wenn wir den wirtschaftlichen Ertrag dieser Großprojekte dauerhaft sichern wollen, müssen wir heute die Voraussetzungen dafür schaffen, dass dieses Wachstum nicht zu einer Überlastung unserer ehrenamtlichen Strukturen führt.

Lassen Sie uns daher gemeinsam und vorausschauend auf drei Kernbereiche blicken, in denen wir die Weichen jetzt richtig stellen müssen:

Erstens: Das reale Gefahrenumfeld im Blick behalten.

Der bauliche und vorbeugende Brandschutz innerhalb der neuen Industrieanlagen wird ohne Frage auf dem neuesten Stand sein, dies ist ein wichtiger Baustein. ABER der vorbeugende Brandschutz endet an den Hallenwänden. Er fängt keine unvorhersehbaren Ereignisse im Umfeld ab. Er reguliert nicht den massiv zunehmenden LKW- und Lieferverkehr auf unseren Straßen, und er beherrscht im Ernstfall keine Zwischenfälle mit komplexen Gefahrstoffen auf den Zufahrtswegen. Wir als Feuerwehr müssen in der Lage sein, neben den eigentlichen Objekten, auch genau dieses Umfeld, im Rahmen der kommunalen Gefahrenabwehr, zu beherrschen. Das bedeutet: Wir müssen an entscheidenden Stellen in Vorleistung gehen. Wir benötigen die passende Ausstattung und Infrastruktur, BEVOR die Produktion voll anläuft und die Server hochgefahren werden.

Zweitens: Technische Antworten auf personelle Herausforderungen finden.

Die Entwicklung der Tagesalarmstärke ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Wenn die Anforderungen an uns durch hochkomplexe Industrieobjekte steigen, während gleichzeitig die Zahl der tagsüber sofort verfügbaren Einsatzkräfte strukturell bedingt sinkt, dann müssen wir dieses Defizit intelligent ausgleichen. Die Antwort darauf heißt: Investition in hochmoderne, hocheffiziente Technik. Wir benötigen Fahrzeuge und Geräte, die es auch kleineren Besatzungen ermöglichen, einen maximalen und vor allem sicheren Einsatzerfolg zu garantieren. Solche Investitionen sind keine Luxuswünsche – sie sind eine rationale, notwendige Maßnahme zur Risikominimierung.

Drittens: Das Ehrenamt schützen und gezielt spezialisieren.

Unsere Kameradinnen und Kameraden leisten diesen Dienst freiwillig, in ihrer Freizeit, für die Bürgerinnen und Bürger dieser Gemeinde. Ein modernes Rechenzentrum oder ein Gaskraftwerk fordert von diesen Ehrenamtlichen jedoch ein hochspezifisches Fachwissen, das über die Standardausbildung weit hinausgeht. Wir brauchen ein verlässliches Budget für spezialisierte Fortbildungen, zusätzlich zum Angebot des Niedersächsischen Landesamtes für Brand- und Katastrophenschutz und Sonderausrüstungen. Wenn wir unsere Kräfte in solche hochkomplexen Szenarien schicken, müssen wir sie perfekt darauf vorbereiten. Nur so schützen wir sie vor den spezifischen Gefahren und chronischer Überlastung. Ebenso bringen moderne und umfangreiche Technik und damit einhergehende Prüfpflichten einen erheblichen Mehraufwand für unsere Gerätewarte, was uns auch außerhalb der Einsätze mittlerweile stark belastet.

Die Themen Einsatzbelastung und Tagesalarmstärke treiben uns bereits heute um. Wir müssen sicherstellen, dass die zukünftigen Belastungen weiterhin auf viele Schulterpaare verteilt werden. Jede Kameradin und jeder Kamerad ist mit Gold kaum aufzuwiegen. Wir müssen die Attraktivität und Wertschätzung stützen und stärken.

Wenn das Ehrenamt an seine Belastungsgrenzen stößt, riskieren wir das Fundament unseres gesamten Sicherheitssystems und damit auch die Grundlage für eine weitere wirtschaftliche, infrastrukturelle und gesellschaftlicher Entwicklung. Punktuell ist diese Grenze bereits jetzt erreicht.

Sowohl global als auch lokal haben wir statistisch betrachtet bereits jetzt mit einer deutlichen Zunahme der Einsatzzahlen zu kämpfen, eine Prognose für die Entwicklung vor den genannten Punkten ist schwierig, wird aber tendenziell sehr ausgeprägt nach oben zeigen.

Meine Damen und Herren,

wir stehen mitten im Jahr 2026, und die kommenden Kommunalwahlen werfen ihre Schatten bereits voraus. Die Bürgerinnen und Bürger in unseren Ortschaften werden in den nächsten Monaten ganz genau hinsehen. Sie werden die berechtigte Frage stellen, wie die Politik mit den neuen wirtschaftlichen Möglichkeiten umgeht und ob die sprudelnden Gewerbesteuereinnahmen auch dort investiert werden, wo sie den direkten Schutz der Bevölkerung gewährleisten: bei der Sicherheit vor der eigenen Haustür. Eine leistungsfähige Feuerwehr ist ein wichtiger Teil des Fundaments, dass dieses Wachstum erst ermöglicht.

Niemand von uns – und keine Fraktion in diesem Rat – möchte sich in den kommenden Debatten vorwerfen lassen, die grundlegende Sicherheitsinfrastruktur als Pflichtaufgabe vernachlässigt zu haben, während sich die Gemeindekassen füllen.

Der kommende Brandschutzbedarfsplan bietet uns hierfür eine hervorragende, parteiübergreifende Chance. Lassen Sie uns dieses Dokument bitte nicht als bürokratische Pflichtübung oder als zähes Feilschen um jeden Euro verstehen. Betrachten wir es als das, was es im Kern ist: ein strategisches Zukunftskonzept für Hohenhameln und ein klares Versprechen an die Menschen, dass ihr Schutz mit dem Wachstum unserer Gemeinde Schritt hält.

Ich bitte Sie daher im Namen der gesamten Gemeindewehrführung eindringlich: Tragen Sie diese Notwendigkeiten in Ihre Fraktionen. Nehmen Sie die Diskussionen um diese zukunftsweisenden Investitionen positiv auf und vermitteln Sie den Bürgern, dass eine starke, modern ausgestattete Feuerwehr die beste Lebensversicherung für eine florierende Gemeinde ist.

Wir als Feuerwehr stehen bereit, die Ärmel hochzukrempeln und die Herausforderungen der Zukunft anzupacken. Aber das verlässliche Fundament dafür – das müssen Sie hier im Ausschuss und im Rat gießen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit und Ihre fortwährende Unterstützung!